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Umweltkatastrophe und Verhaftungen bei Demos Drucken
Politik

Drohende Umweltkatastrophe in der Provinz Aserbaidschan

Verhaftungen bei Demonstrationen 

Bei den seit Wochen andauernden Protestdemonstrationen im iranischen Aserbaidschan im Nordwesten des Landes wurden bislang hunderte Demonstranten festgenommen. Die Proteste richten sich gegen die Regierung in Teheran, die nichts gegen die drohende ökologische Katastrophe im Urmiya-See und der umliegenden Region unternimmt.

 


 

Ein Eilantrag im Parlament zur Soforthilfe für den Urmiya-See wurde vor kurzem von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt, was in vielen Städten der Provinz Aserbaidschan zu Protest- demonstrationen führte. Wie in solchen Fällen üblich wurden die Demonstranten als von außen gelenkt bezeichnet und mit Gewalt auseinander getrieben. Es gab Verhaftungen und Verletzte. Doch die Bewohner, darunter auch zahlreiche Bauern, Landarbeiter und Viehzüchter, ließen sich nicht einschüchtern. Anfang September gingen Tausende auf die Straße. „Aserbaidschan erhebe dich, schreie, hauche dem See deinen Atem ein“, „Urmiya-See liegt im Sterben und statt ihn zu retten, verurteilt ihn das Parlament zum Tode“, riefen die Demonstranten. Sicherheitsbeamte und Revolutionswächter setzten Plastikgeschosse und elektrisch geladene Knüppel gegen Demonstranten ein. Die der Regierung nahe stehende Agentur Fars bestätigte in einem Bericht die gewaltsamen Auseinandersetzungen, fügte aber hinzu, die Unruhen seien von Separatisten mit Unterstützung des Auslands organisiert worden. Urmiya sei nur ein Vorwand. Das eigentliche Ziel sei die Schwächung der Zentralregierung.

Endlich sah sich die Regierung zum Handeln gezwungen. Mohammad Djwad Mahdisadeh, Leiter des Umweltamts, erklärte am 4. September im staatlichen Fernsehen, die Regierung habe beschlossen, Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der Katastrophe zu ergreifen und werde dafür eine Summe in Höhe von umgerechnet 900 Millionen Dollar einsetzen. Demnach soll von den Flüssen Aras und Silweh Wasser in den Urmiya-See zugeleitet werden. Es ist fraglich, ob diese Maßnahme ausreichen wird. Experten sind der Meinung, dass auch einige Dämme sofort geöffnet und der Bau weiterer Dämme eingestellt werden müsste, um den Prozess des Austrocknens aufhalten zu können.

 

Der Urmiya-See ist mit einer Länge von 140 Kilometern und einer Breite von 55 Kilometern der größte Binnensee Irans. Er bildet für hunderte Arten von Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Seit Jahren droht der See auszutrocknen und sich in eine Salzwüste zu verwandeln. Er hat einen hohen Salzgehalt von etwa 30 Prozent. Sachverständige haben festgestellt, dass der See innerhalb der letzten fünfzehn Jahre sechs Meter an Tiefe verloren hat, so dass die ehemals 5700 Quadratkilometern Wasserfläche inzwischen um 2700 Quadratkilometer kleiner geworden ist.

Die Region gehört zu den fruchtbarsten des Landes. Millionen Menschen, Bauern, Landarbeiter, Viehzüchter und landwirtschaftliche Unternehmen haben hier ihre Existenzbasis.

Sollte der See mit 102 kleineren und größeren Inseln ganz austrocknen, würden den Schätzungen von Experten zu- folge acht bis zehn Milliarden Tonnen Salz übrig bleiben. Dann würden die in der Gegend häufigen Stürme das Salz auf die umliegenden Felder tragen und die Lebensgrundlage von rund vierzehn Millionen Bewohnern der Region zerstören. Bereits jetzt sind zahlreiche Dörfer um den See wegen Salzablagerun- gen unbewohnbar geworden.

Hauptgrund für diese ökologische Katastrophe ist die verantwortungslose Politik der Zentralregierung, die ungeachtet der Folgen mit dem Bau von Staudämmen den Zustrom von Wasser in den See versperrt hat. Bislang wurden 36 Staudämme in 15 Flüssen gebaut. 15 Dämme befinden sich im Bau, weitere sind geplant. Sachverständige, die seit Jahren die Regierenden vor der herannahenden Katastrophe warnten, wurden ignoriert. Der frühere Parlamentsabgeordnete Akbar Asami bezeichnete in einem Interview mit der BBC den Urmiya-See als einen der „größten Schätze“ Irans, dessen Austrocknen nicht nur die Region, sondern auch weiter entfernt liegende Gebiete in Mitleidenschaft ziehen würde.

 

Quelle:

Iran-Report, Heinrich-Böll-Stiftung

http://www.boell.de/index.html

 

Das Auswärtige Amt über Urmia-See-Frage

 
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