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Soziale Kriege - Richard David Precht
Soziales - Migration & Integration
Der Philosoph Richard David Precht und sein aktuelles Thema “Soziale Kriege”

Dr. phil. Tenckhoff 30. September 2010

Er hat uns vor drei Jahren mit der Frage: “Wer bin ich – und wenn ja wie viele?” auf eine unterhaltsame philosophische Reise geschickt, die uns die großen Fragen der Philosophie auf amüsante Weise näher brachte.

 

Der Philosoph Richard David Precht und sein aktuelles Thema “Soziale Kriege”

Dr. phil. Tenckhoff 30. September 2010

Er hat uns vor drei Jahren mit der Frage: “Wer bin ich – und wenn ja wie viele?” auf eine unterhaltsame philosophische Reise geschickt, die uns die großen Fragen der Philosophie auf amüsante Weise näher brachte.

 

In seinem aktuellen Beitrag in Spiegel-online führt uns der Philosoph Richard David Precht nun zur Debatte “Soziale Kriege” und kanalisiert das Getöse rund um Thilo Sarrazin in spannende Fragen: “Wieso kann ein hölzerner Finanzmann mit seinen Vorurteilen, seinen turmhoch gestapelten Statistiken und seinen biologischen Nachschlagewerken eine solche Aufregung verursachen? Weil er ein Tabu gebrochen hat? Weil er der schweigenden Mehrheit eine näselnde Stimme gibt? Weil den Massenmedien langweilig war? Oder doch: weil er ins Schwarze traf, als er ins Braune redete?” Precht hält nicht den religiösen Fundamentalismus für das eigentlich Bedrohliche, sondern “die Moralferne der Halbintegrierten, die Melange von religiösem Machismo und Gangsta-Kult, islamistischem Chauvinismus und westlichem.”

 

Mit Integrationsforderungen nur Ängste vor dem Islam zu schüren, ist für Precht lediglich ein praktisches Vehikel, das viel Beachtung findet, weil es einfacher ist, sich über Kopftücher oder Koranverbrennungen zu empören. Doch dieses  Vorgehen lenke von den dringenden gesellschaftlichen Forderungen nach ganzheitlicher gesellschaftlicher Integration im Sinne von Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft ab. Und hier nennt Precht die eigentliche, weniger greifbare Krisenregion: “Unsere Gesellschaft, unser Wirtschaftssystem, züchtet den Egoismus an allen Fronten. Das Problem dahinter ist nicht neu, es ist der Konflikt zwischen Liberalismus und Demokratie. Die Idee des Liberalismus ist der Freiheit verpflichtet, die Idee der Demokratie einer weitreichenden Gleichheit. Je freiheitlicher eine Gesellschaft, umso gefährdeter der gesellschaftliche Konsens. Niemand sah dies so scharf wie die Denker der ‘Freiburger Schule’, die Väter der ‘sozialen Marktwirtschaft’. Wirtschaftspolitik war für sie auch ein moralisches Erziehungsprogramm, um die Werte der Freiheit mit den Werten von Fürsorge und Anstand zu versöhnen.”

 

Als Resultat aus dieser Entwicklung sieht Precht die wachsende Angst vor einem Sozialkrieg. “Es gibt viele Deutsche und Migranten, die sich zu dieser Wertegemeinschaft nicht mehr zugehörig fühlen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, die Milieus ohne Tugenden werden vermutlich wachsen: Eure Werte, euer sozialer Friede und eure Moral sind uns scheißegal!”

 

Doch mündeten diese Erkenntnisse schnell in “demokratischer” Resignation, angesichts der allgemeinen Hilflosigkeit gegenüber “tiefer zu legenden” Bahnhöfen, WCCB-versagenden Stadtverwaltungen, Milliarden vergeudende Banker mit dennoch hohen Boni usw. Doch wer es sich jetzt bequem macht und nach Staat und Politik ruft, liegt falsch. Precht fordert, dass “die Bürger selbst Verantwortung übernehmen. Dissoziale Milieus zu verkleinern kann niemals allein die Aufgabe des Staats sein. Nicht zuletzt die Bürger der goldenen Generation, die Rentner und Pensionäre, tragen heute die Bringschuld, ihren Wohlstand in Allgemeinwohlstand zu überführen. Was hindert einen Pensionär, Migranten-Kindern Lesen und Werte beizubringen?”


(Alle verwendeten Zitate von Richard David Precht finden Sie hier)

Quelle: http://www.tenckhoff.eu/blog/?p=997
 
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